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Informationen über Ivermectin

Geschätzte Lesezeit: 11 min
Veröffentlicht : 20.05.2026 Aktualisiert : 14.07.2026 Medizinisch geprüft : 07.06.2026

Ivermectin wird in Österreich gezielt zur Behandlung bestimmter Parasiteninfektionen eingesetzt – darunter Krätze (Scabies) und bestimmte Wurmerkrankungen. Das Wichtigste vorab: Ivermectin ist hochwirksam, aber nicht für jede Parasitenart und nicht für jede Situation geeignet. Eine ärztliche Verordnung ist in Österreich zwingend erforderlich; Selbstmedikation oder Bezug aus unautorisierten Quellen birgt erhebliche Risiken.

Wer über Ivermectin nachdenkt – und warum

Ein Kind kommt nach einem Schulausflug mit heftigem Juckreiz an Armen und Bauch nach Hause. Eine ältere Patientin klagt über nächtliche quälende Hautbrennen, kleine Knötchen zwischen den Fingern, der Hausarzt verdächtigt Krätze. Oder jemand hat nach Fernreise plötzlich Bauchschmerzen und ungeklärte Hautausschläge – der Verdacht fällt auf Parasiten. In all diesen Fällen taucht bei der Recherche und im Arztgespräch häufig ein Name auf: Ivermectin.

Die meisten Patienten begegnen Ivermectin nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil Symptome, Kontaktinfektionen oder familiäre Ausbrüche eine gezielte Behandlung notwendig machen. Es ist kein Medikament, das man „auf Vorrat“ zu Hause hat. Vielmehr steht hinter der Anwendung fast immer eine klare ärztliche Entscheidung – und oft die Frage: Ist Ivermectin wirklich besser als die Alternativen? Wie sicher ist es? Und wie läuft die Behandlung ab?

Wussten Sie schon?
Ivermectin gilt bei Krätze und bestimmten Wurmerkrankungen als eines der wirksamsten oralen Medikamente – aber es ist nicht gegen alle Parasitenarten zugelassen oder wirksam.

Wann Ivermectin gegen Parasiten das Mittel der Wahl ist

In Österreich verschreiben Ärzte Ivermectin vor allem in zwei Szenarien: bei schwerer oder therapieresistenter Krätze (Scabies) und bei bestimmten Fadenwurminfektionen wie Strongyloidiasis. Die Entscheidung für Ivermectin fällt nicht leichtfertig – sie folgt klaren Leitlinien und berücksichtigt, welche Alternativen im Einzelfall sinnvoll sind.

Gerade bei der Krätze hat sich der klinische Alltag verändert: Während früher vor allem äußerliche Cremes wie Permethrin zum Einsatz kamen, gibt es heute Situationen, in denen eine orale Ivermectin-Therapie nicht nur einfacher, sondern auch wirksamer oder sogar notwendig ist – etwa bei großflächigem Befall, bei Versagen äußerlicher Mittel oder bei Pflegeheimausbrüchen.

  • Krätze (Scabies): Ivermectin wird meist eingesetzt, wenn Permethrin-Creme nicht ausreichend wirkt, bei schwerem Verlauf (z. B. Borkenkrätze) oder wenn viele Personen betroffen sind (Massenbehandlung).
  • Fadenwurminfektionen: Vor allem bei Strongyloides stercoralis ist Ivermectin Mittel der Wahl, da herkömmliche Wurmmittel oft versagen.
  • Andere Anwendungsgebiete: Gelegentlich wird Ivermectin im Rahmen spezieller ärztlicher Indikation gegen Kopfläuse oder andere Parasiten eingesetzt – allerdings off-label und nicht immer erstattungsfähig.
Hinweis:
Bei Parasiten wie Bandwürmern oder Spulwürmern wird Ivermectin in Österreich nicht empfohlen. Hier sind andere Medikamente wie Albendazol oder Mebendazol angezeigt.

Wie Ivermectin im Körper wirkt – und was das für Sie bedeutet

Ivermectin greift an einem Punkt an, den Parasiten nicht verteidigen können: Es blockiert spezielle Kanäle in den Nervenzellen der Parasiten und bringt sie damit zum Erliegen. Für den Menschen sind diese Kanäle weit weniger empfindlich – deshalb ist das Medikament bei richtiger Anwendung gut verträglich.

Glutamat-gesteuerte Chloridkanäle
Spezieller Nervenzellkanal, der bei Parasiten lebenswichtig ist. Ivermectin blockiert diese Kanäle gezielt.

Die Wirkung setzt rasch ein: Innerhalb weniger Tage nach Einnahme stirbt der Großteil der Parasiten ab. Bei Krätze sind die Milben nach 1–2 Therapierunden meist beseitigt; bei Wurmerkrankungen hängt die Wirksamkeit von der Art und Schwere der Infektion ab.

Praxistipp:
Nach Ivermectin-Einnahme bleibt der Juckreiz bei Krätze oft noch 2–4 Wochen bestehen. Das bedeutet nicht, dass das Medikament nicht gewirkt hat – der Körper benötigt Zeit, um die abgestorbenen Parasitenreste abzubauen.

Für Patienten bedeutet das: Die Behandlung ist kurz, meist als Einmal- oder Doppelgabe angelegt und greift systemisch – das heißt, die Wirkstoffe erreichen auch schwer erreichbare Bereiche wie Nägel, Kopfhaut oder Hautfalten, wo Cremes oft versagen. Doch diese breite Wirkung bringt auch ein eigenes Nebenwirkungsprofil mit sich, das in der nächsten Sektion im Fokus steht.

Vergleich: Ivermectin und andere Antiparasitika in Österreich

Wirkstoff Zugelassene Indikationen (AT) Anwendungsform Wirkeintritt Häufige Nebenwirkungen Kontraindikationen Verfügbarkeit/Erstattung (AT)
Ivermectin Krätze (bei Therapieversagen), Strongyloidiasis, bestimmte Fadenwürmer Tablette 2–3 Tage Juckreiz, Kopfschmerzen, selten Hautausschlag Schwere Leberinsuffizienz, Kinder <15 kg, Schwangerschaft Verschreibungspflichtig, teils erstattungsfähig
Permethrin Krätze, Kopfläuse Cremes, Lotionen 1–2 Tage Hautreizungen, Brennen Allergie gegen Pyrethroide Verschreibungsfrei, günstiger, meist verfügbar
Albendazol Bandwürmer, Spulwürmer, andere Nematoden Tablette 1–3 Tage Bauchschmerzen, Übelkeit Schwangerschaft, Lebererkrankung Verschreibungspflichtig, erstattungsfähig

Der Unterschied, der für Patienten zählt: Ivermectin wirkt systemisch und eignet sich deshalb besonders bei schwer zugänglichen oder großflächigen Parasitenbefällen. Im Gegensatz zu Permethrin muss nicht der ganze Körper eingecremt werden – das spart Aufwand, erhöht aber die Anforderungen an die korrekte Einnahme und Überwachung.

Rund 80 % der unkomplizierten Krätze-Fälle sprechen auf äußerliche Mittel wie Permethrin an. Bei Therapieversagen oder massiven Ausbrüchen ist Ivermectin jedoch oft die effektivere Wahl (Quelle: Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie).

Wichtig für die Praxis: Nicht jedes Mittel wirkt gegen jeden Parasiten. Im Zweifel entscheidet die genaue Diagnose über die Auswahl – und damit auch, ob Ivermectin überhaupt in Frage kommt.

Dosierung und Anwendung: Was für Ivermectin entscheidend ist

Die richtige Dosis von Ivermectin hängt von mehreren Faktoren ab: Körpergewicht, Erkrankung, Begleiterkrankungen und manchmal auch von der Altersgruppe. Der Klassiker ist die Einmalgabe: 200 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. In manchen Fällen ist eine Wiederholung nach 7 bis 14 Tagen erforderlich.

Indikation Dosis Wiederholung Besonderheiten
Krätze (Scabies) 200 µg/kg als Einmalgabe nach 7–14 Tagen Gleichzeitige Behandlung aller Kontaktpersonen empfohlen
Strongyloidiasis 200 µg/kg als Einmalgabe ggf. nach 14 Tagen Stuhl- oder Blutkontrolle nach Therapie
Andere Fadenwürmer individuell, ärztliche Entscheidung je nach Verlauf Off-label, vorherige Rücksprache mit Spezialisten

Die Tabletten werden morgens nüchtern mit Wasser eingenommen. Mindestens 2 Stunden nach der Einnahme sollte auf Nahrung verzichtet werden, um die Aufnahme nicht zu beeinträchtigen. Die Tabletten dürfen nicht zerkaut werden. Bei Kindern ab 15 kg ist eine sorgfältige Gewichtsanpassung nötig.

Achtung:
Ivermectin ist in Österreich bei Kindern unter 15 kg Körpergewicht nicht zugelassen. Für Schwangere und Stillende ist der Einsatz nur in Ausnahmefällen und nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erlaubt.

Wiederholte Einnahmen sind selten nötig, aber in Einzelfällen – etwa bei chronischen Wurmbefall oder Reinfektion – möglich. Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, ob und wann eine Kontrolle oder Nachbehandlung erforderlich ist.

Welche Nebenwirkungen bei Ivermectin wirklich zählen – und wann Sie handeln sollten

Die meisten Patienten vertragen Ivermectin gut. Dennoch gibt es Nebenwirkungen, die Sie kennen sollten – nicht nur um sie zu erkennen, sondern auch, weil manche Beschwerden auf die absterbenden Parasiten und nicht auf das Medikament selbst zurückgehen.

Typische Reaktion:
Juckreiz, Hautausschläge oder Schwellungen nach der Einnahme sind häufig Folge der Immunantwort auf abgetötete Parasiten – nicht unbedingt ein Zeichen für eine Unverträglichkeit.
  • Häufig: Juckreiz (besonders bei Krätze), Kopfschmerzen, leichte Übelkeit, Hautrötung, Schwindel.
  • Seltener: Schwellungen im Gesicht, Sehstörungen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen.
  • Selten, aber wichtig: Starke Hautausschläge, Atemnot, Zeichen einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion.

„In meiner Praxis melden sich die meisten Patienten wegen anhaltenden Juckreizes nach der Einnahme beunruhigt zurück. Wichtig ist: Dieser Juckreiz kann bis zu zwei Wochen anhalten und ist oft kein Zeichen für einen Therapiefehler oder eine allergische Reaktion. Echte Nebenwirkungen wie schwere Hautreaktionen oder Kreislaufprobleme sind sehr selten, sollten aber sofort ärztlich abgeklärt werden.“

– Dr. Stefan Bauer, Facharzt für Allgemeinmedizin
Nebenwirkung Häufigkeit Wann zum Arzt?
Juckreiz, Rötung häufig (>10 %) Wenn länger als 14 Tage oder sehr stark
Kopfschmerzen, Übelkeit gelegentlich (1–10 %) Bei hartnäckigen oder starken Beschwerden
Hautausschlag, Schwellung im Gesicht selten (<1 %) Sofortige ärztliche Abklärung!
Atemnot, Kreislaufprobleme sehr selten (<0,1 %) Notfall – sofort Rettung rufen!

Wer unter bekannten Lebererkrankungen leidet oder mehrere Medikamente einnimmt, sollte vor der Behandlung mit dem Arzt individuelle Risiken besprechen. In seltenen Fällen kann Ivermectin mit anderen Arzneimitteln wie bestimmten Blutdrucksenkern oder Immunsuppressiva interagieren – Ihr Arzt oder Apotheker prüft das für Sie.

Wann Sie Ivermectin nicht einnehmen sollten: Kontraindikationen und Warnhinweise

Absolut kontraindiziert:
  • Schwere Leberinsuffizienz (Leberzirrhose, akutes Leberversagen)
  • Kinder unter 15 kg Körpergewicht
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen Ivermectin
  • Schwangerschaft (besonders im 1. Trimenon)
Mit Vorsicht (nur nach Rücksprache):
  • Stillzeit (Übergang in die Muttermilch nicht ausgeschlossen)
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln mit Einfluss auf Leberenzymaktivität
  • Ältere Patienten mit Mehrfacherkrankungen
  • Immungeschwächte Patienten (z.B. HIV, Transplantierte)

Die Bewertung „absolut kontraindiziert“ bedeutet: In diesen Fällen darf Ivermectin nicht verabreicht werden. Relative Kontraindikationen erfordern eine sorgfältige ärztliche Abwägung. Teilen Sie Ihrem Arzt unbedingt bestehende Erkrankungen und alle Medikamente mit, die Sie einnehmen – das schützt vor gefährlichen Wechselwirkungen und unnötigen Risiken.

Zugang, Preis und Erstattung: Ivermectin in Österreich bekommen

Der Weg zu Ivermectin führt in Österreich immer über eine ärztliche Verschreibung. Das Medikament ist verschreibungspflichtig (rezeptpflichtig) und darf ausschließlich in Apotheken abgegeben werden. Ein Bezug über das Internet, vor allem aus dem Ausland, ist nicht nur illegal, sondern birgt gravierende Risiken durch Fälschungen und fehlende medizinische Kontrolle.

  • Rezeptpflicht: Ivermectin gibt es in Österreich ausschließlich auf ärztliches Rezept.
  • Apothekenpflicht: Abgabe nur in Apotheken, keine frei verkäuflichen Präparate.
  • Preis: Je nach Packungsgröße, Hersteller und Kassenstatus variiert der Preis. In der Regel zwischen 20 und 50 Euro für eine Standardpackung.
  • Erstattung: Bei nachgewiesener medizinischer Indikation übernimmt die Krankenkasse (ÖGK, BVAEB, SVS) in vielen Fällen die Kosten – insbesondere bei Scabies oder bestimmten Wurminfektionen, auf Antrag und mit bestätigter Diagnose.
  • Regulatorische Kontrolle: Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) überwacht die Zulassung, Sicherheit und Qualität.
Praktischer Hinweis:
Wenn Sie ein Rezept für Ivermectin erhalten haben, ist die Verfügbarkeit in Apotheken meist gut. Bei Lieferengpässen helfen Apotheken, auf wirkstoffgleiche Präparate umzusteigen oder Importmöglichkeiten zu prüfen.

Zur Kostenfrage: Bei Privatverschreibung ohne Erstattung kann Ivermectin teuer werden. Sprechen Sie Ihren Arzt immer auf die Möglichkeit der Kostenübernahme und alternative Präparate an. Die Erstattungssituation kann sich regional unterscheiden.

FAQ: Ivermectin in Österreich

Kann ich Ivermectin ohne Rezept in der Apotheke kaufen?
Nein. Ivermectin ist in Österreich streng rezeptpflichtig und darf nur mit ärztlicher Verschreibung in der Apotheke bezogen werden. Eine Selbstmedikation ist nicht zulässig und kann gefährlich sein.
Wie schnell wirkt Ivermectin bei Krätze?
In der Regel sterben die Milben innerhalb von 2–3 Tagen ab. Der Juckreiz kann aber noch bis zu 3 Wochen anhalten, da der Körper auf die abgestorbenen Parasitenreste reagiert.
Wird Ivermectin von der Krankenkasse bezahlt?
Bei klarer medizinischer Indikation (z. B. schwieriger Krätze oder bestimmten Wurmerkrankungen) übernehmen die gesetzlichen Kassen meist die Kosten, sofern ein Antrag gestellt und die Diagnose bestätigt wurde.
Kann ich Ivermectin zur Vorbeugung (prophylaktisch) einnehmen?
Nein. Die Einnahme von Ivermectin zur Vorbeugung ist in Österreich nicht zugelassen und wird nicht empfohlen. Es gibt keine Evidenz für einen Nutzen.
Darf Ivermectin während der Schwangerschaft genommen werden?
Im Allgemeinen sollte Ivermectin während der Schwangerschaft vermieden werden, vor allem im ersten Trimester. Eine Anwendung ist nur bei absoluter Notwendigkeit und nach Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt möglich.
Welche Unterschiede gibt es zwischen Ivermectin-Originalpräparaten und Generika?
In Wirkung und Sicherheit bestehen keine relevanten Unterschiede. Preis und Verfügbarkeit können jedoch variieren, Generika sind in der Regel günstiger.
Was soll ich tun, wenn ich nach der Einnahme von Ivermectin Nebenwirkungen bemerke?
Leichte Beschwerden wie Juckreiz oder Kopfschmerzen sind meist harmlos. Bei schweren Hautausschlägen, Schwellungen, Atemnot oder anderen ernsten Symptomen sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Wie lange muss ich nach der Einnahme warten, bis ich wieder mit anderen Menschen in Kontakt treten darf?
Bei Krätze ist die Ansteckungsgefahr bereits 8–12 Stunden nach Therapiebeginn deutlich reduziert. Ihr Arzt informiert Sie über die genaue Dauer der Isolierung; meist reicht eine Nacht.

Quellen und weiterführende Informationen

Dr. Stefan Bauer
Medizinisch geprüft von
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Wichtige medizinische Hinweise : Die Informationen auf dieser Website dienen ausschließlich zur Orientierung und können die Beratung durch einen Arzt oder anderes qualifiziertes medizinisches Fachpersonal nicht ersetzen. Auch wenn ein Produkt ohne Rezept erhältlich ist, ist es wichtig, die empfohlene Anwendung zu beachten und die Produktinformation sorgfältig zu lesen. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, Gegenanzeigen haben oder Fragen zur Behandlung haben, wenden Sie sich zur Beratung an einen Arzt oder eine Apotheke.

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